Jüngling vom Magdalensberg
Ein Bauer entdeckte 1502 eine Bronzestatue aus der Zeit vor Christi Geburt auf dem Magdalensberg.
Die Statue vereint klassische und hellenistische Stilmerkmale und wurde während der Regierungszeit des Kaisers Augustus in Italien angefertigt. Der italische Meister orientierte sich dabei wahrscheinlich an den griechischen Bildhauer Polyklet aus dem 5 Jh. v. Chr. . Der rechte Oberschenkel trägt eine Inschrift, welche die Stifter der Statue nennt. Lesung: A(ulus) POBLICIVS D(ecimi) L(ibertus) Antioc(us) / TI(berius) BARBIVS Q(uinti) P(ublii) L(ibertus) TIBER(inus oder -ianus) Übersetzung: Aulus Poblicius Antiocus, Freigelassener des Decimus Poblicius; Tiberius Barbius Tiberinus oder Tiberianus, Freigelassener des Quintus Barbius und des Publius Barbius Es ist zudem durch zeitgenössische Darstellungen aus dem 16. Jh. überliefert, dass gemeinsam mit der Jünglingsstatue ein Schild mit Inschrift und eine Axt gefunden wurden, die jedoch relativ rasch noch im selben Jahrhundert verschollen gingen. Der Schild, der in einer Beschreibung auch als Hut angesprochen wird, soll folgende am inneren Rand umlaufende Inschrift getragen haben: Lesung: M(arcus) GALLICINVS VINDILI F(ilius) L(ucius) BARB(ius) L(uci) L(ibertus) PHILOTAERVS // PR(ocurator) // Craxsantus Barbi P(ubli) S(ervus) Übersetzung: Marcus Gallicinus, Sohn des Vindil(i)us; Prokurator Lucius Barbius Philotaerus, Freigelassener des Lucius; Craxsantus, Sklave des Publius Barbius Viele Forschergenerationen haben sich über die Deutung der bekannten Bronzestatue den Kopf zerbrochen. Je nach Zeitgeist und damaligen Forschungsstand finden sich Interpretationen als Antinoos, der Lustknabe Kaiser Hadrians bis zu den Göttern Mars Latobius, Belenus oder Merkur. Sicher gilt, dass er aufgrund seiner zu geringen Maße nicht als Kultbild des monumentalen Podiumtempels am Magdalensberg-Gipfel diente, sondern wahrscheinlich dort als wertvolles Weihgeschenk aufgestellt war. Der Jüngling vom Magdalensberg ist das bekannteste Fundobjekt des Magdalensberges und gilt quasi als sein Wahrzeichen.
Der in Salzburg angefertigte Abguss des antiken Jünglings gilt heute als eines der Glanzstücke des Kunsthistorischen Museums in Wien.