„Internet“ des Waldes

"Wood-Wide-Web"

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Das Internet des Waldes

„Internet“ des Waldes

Das im Erdreich weit verzweigte Wurzelsystem eines Kastanienbaums steht beispielhaft für das „Wood-Wide-Web“, die Vernetzung unterschiedlichster, mitunter kleinster Lebensformen, die sich im Laufe der Evolution immer besser an ihren jeweiligen Lebensraum im Wald angepasst haben. Verwertung und Verwandlung von Material greifen ineinander und sorgen für ein ökologisches Gleichgewicht, das allerdings durch tiefgreifende klimatische Veränderungen entscheidend bedroht ist.

Starke Wurzeln

Wurzeln wie jene der Edelkastanie verankern nicht nur die Bäume im Erdreich, sondern dienen auch entscheidend der Versorgung der Pflanzen. Dabei liegt der Großteil des Wurzelkörpers unter der Erde, wo auch Pilze und Bakterien die Nährstoffaufnahme fördern und eine Vernetzung und Kommunikation der Bäume untereinander ermöglichen.

Sterbender Edelkastanienbaum

Der von Kastanienrindenkrebs befallene Stamm einer Edelkastanie steht für die Bedrohung heimischer Pflanzen durch eingeschleppte Schaderreger und offenbart die Verletzlichkeit von Ökosystemen. Der ursprünglich aus Ostasien stammende Pilz zerstörte in der ersten Hälfte des 20. Jhs. beinahe den gesamten Edelkastanienbestand im Osten der USA und griff später auch auf Europa über. Die Krankheit verläuft hier allerdings weniger dramatisch, da die hiesigen Bäume widerstandsfähiger sind und es mittlerweile auch Methoden zur biologischen Bekämpfung der aggressiven Pilzart gibt.

Dynamische Liane

Die Gewöhnlich-Waldrebe ist eine europäische Vertreterin der botanischen Sonderform der Lianen. Meist wächst sie eher unscheinbar am Waldrand, an Lichtungen oder Sträuchern, bei ausreichender Bodenfeuchtigkeit kann sie allerdings bis zu Baumkronen vordringen und an die zehn Meter lang werden.

Überlebensgemeinschaft

Flechten stehen für das erfolgreiche Zusammenleben von Pilzen und Algen: Der Pilz kann Wasser und Mineralstoffe aufnehmen und Schutz vor Austrocknung und mechanischer Schädigung bieten, während die Alge mit Hilfe von Kohlendioxid, Wasser und Sonnenenergie Zuckerstoffe produziert (Photosynthese).

Weitwanderer und sorgende Mütter

Der imposante und überaus kräftige Braunbär bewohnt weite Teile Europas und nicht selten legen wandernde Jungbären auf der Suche nach einem eigenen Revier Hunderte von Kilometern zurück. Die Aufzucht der Jungtiere obliegt ganz den Müttern, die ihren Nachwuchs nicht aus den Augen lassen. Als nachtaktive Allesfresser ernähren sich Braunbären in erster Linie von Pflanzen, Pilzen und Knollen, aber auch von Schnecken, Amphibien, Vögeln, kleineren Säugetieren, Insekten und Honig. Dabei kann es auch zu Konflikten mit dem Menschen kommen, wenn Bären Schafe reißen oder Bienenstöcke als schnelle Energiezufuhr nutzen. Mittlerweile werden solche Schäden vom „Kärntner Wildschadensfonds“ abgegolten.

Wacholderbaum

Der Echt-Wacholder ist in Kärnten weit verbreitet: An der Waldgrenze bildet er niederliegende Sträucher, in Tal-Lagen vor allem mehrstämmige Kleinbäume. Die ausgestellten Stammstücke sind von einem bemerkenswert großen Exemplar aus der Gemeinde Globasnitz in Unterkärnten.

Bunter Vogel

Der Buntspecht ist die häufigste von mehreren in Kärnten vorkommenden Spechtarten. Er trägt ein schwarz-weißes Federkleid mit charakteristischer rötlicher Färbung im Bereich des Nackens (Männchen) bzw. des Schwanzansatzes (Weibchen). Der ursprüngliche Lebensraum des Buntspechts sind Laub- und Nadelwälder. Er nutzt aber auch die Wärmedämmfassaden von Wohnhäusern als Resonanzkörper zur Verständigung in der Balzzeit und zur Schaffung seiner Bruthöhlen, die nach ihrem Verlassen von anderen Tieren weiter genutzt werden können. Häufig kann man Buntspechte beim „Herausmeißeln“ von Insektenlarven aus der Rinde kranker oder abgestorbener Bäume beobachten, sie ernähren sich aber auch von Samen, Beeren und Früchten sowie jungen Singvögeln.

Winziger Schädling, große Wirkung

Obwohl der Buchdrucker so winzig ist, fürchten ihn die Forstwirte hierzulande als einen der wenigen schädlichen Vertreter der Borkenkäfer, die sich insbesondere in Fichten-Monokulturen rasch vermehren können. Hier befallen sie bevorzugt bereits geschwächte Bäume und legen unter der Rinde ihre Brutgänge an. Larven, Puppen und Jungkäfer überwintern dort auch, während die ausgewachsenen Käfer im Waldboden Schutz suchen. Natürliche Gegenspieler sind Fliegen, Wespen und andere Käfer. Vögel und Pilzerkrankungen können dem Bestand an Borkenkäfern ebenfalls entscheidend zusetzen. Die aktuelle Klimaerwärmung und Trockenheit schaffen allerdings ideale Voraussetzungen für eine Massenvermehrung des Käfers.

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Vom Boden bis in die Luft: die „Stockwerke“ des Waldes

Naturbelassene Wälder bieten ihren Bewohnern unterschiedliche Lebensräume, die man auch als „Stockwerke des Waldes“ („Straten“) bezeichnet: Von den schattigen Waldböden über die Kraut- und Strauchschicht bis hin zu den sonnenbeschienenen Wipfeln der Bäume leben die verschiedensten Arten, die sich im Laufe der Evolution immer besser an ihre Umgebung angepasst haben. Häufig teilen sich viele unterschiedliche Tiere und Pflanzen einen Lebensraum und dessen begrenzte Ressourcen. Dies führt zu Wechselwirkungen, Abhängigkeiten und offener Konkurrenz als Beutegreifer und Beute.

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