Hoch in den Alpen
Gletscher, Fauna, Wege Sonderschau
Gletscher, Fauna, Wege
In den Hochalpen bestimmen extreme Bedingungen, Fels und Eis den Rhythmus von Mensch und Natur. Die Sonderschau wirft einen Blick auf die Schauplätze ihrer Begegnung und die Herausforderungen, die sie beide unmittelbar betreffen. Aktuelle Forschungen über das Schwinden der Alpengletscher im Fortschreiten des Klimawandels und dessen Auswirkungen auf die hochangepasste alpine Tierwelt auf der einen Seite – auf der anderen die lange Geschichte des Menschen in den Alpen, für die beinahe symbolhaft das Glocknerhaus steht, das 2026 sein 150-jähriges Bestehen feiert. Errichtet und betreut von der Sektion Klagenfurt des Österreichischen Alpenvereins erzählt es von Erkundung, Erschließung und einer großen Verantwortung. Denn heute betreut der Österreichische Alpenverein ein Wegenetz von 26.000 Kilometern und 225 Hütten. 193 Sektionen und 25.000 Ehrenamtliche sichern seine Arbeit – hoch in den Alpen.
Die Geschichte vom Glocknerhaus
150 Jahre Glocknerhaus (Station 1)
Erschließung, Aufbruch und Verantwortung im Hochgebirge: Das Glocknerhaus erzählt von Pioniergeist, touristischer Entwicklung und der Herausforderung, ein historisches Haus in extremer Lage zukunftsfit zu erhalten.
Ein Haus zwischen Kaiserzeit und Gegenwart
Die Sektion Klagenfurt des Österreichischen Alpenvereins, gegründet 1872, beschloss bereits im Jahr 1873, am Bretterboden nahe der Pasterze eine verlässliche Unterkunft für Bergsteigende und Wandernde zu errichten. Der Grundkauf erfolgte 1874, die Finanzierung des Entwurfs von Architekt Adolf Stipperger gelang schließlich durch Einzelspenden, kaiserliche Unterstützung und eine eigens ausgeschriebene Lotterie. Am 17. August 1876 wurde das Glocknerhaus feierlich eröffnet. Mit einem Schlag belebte sich der Fremdenverkehr auf der Kärntner Seite des Hochgebirges.
Schon bald wuchs das Glocknerhaus über seine Anfänge hinaus. Die rasch steigenden Besucherzahlen – 1881 bereits 1.520 Gäste – machten 1885/86 einen ersten umfassenden Ausbau nötig. Nebengebäude für Bergführer und Wirtschaftszwecke entstanden, eine Wasserleitung und Telefonanbindung machten das Haus zu einem echten Stützpunkt im Hochgebirge. 1893 beschloss der Alpenverein Klagenfurt den Bau einer Fahrstraße bis zum Haus, der Spatenstich erfolgte 1900. Diese Trasse war die Keimzelle der späteren Großglockner Hochalpenstraße, deren legendäre 48 Kilometer mit 36 Kehren 1935 eröffnet wurden und das Glocknerhaus für Reisende aus ganz Europa erschlossen.
Beide Weltkriege hinterließen ihre Spuren: 1914 militärisch beschlagnahmt, 1945 von britischen Besatzungstruppen als Hochgebirgsschule genutzt. Jedes Mal gelang es, das Glocknerhaus nach entbehrungsreichen Jahren als Ort der Gastfreundschaft wieder aufleben zu lassen. Das 100-Jahr-Jubiläum 1976 bekräftigte nochmals das klare Bekenntnis: Das Haus bleibt im Eigentum der Sektion Klagenfurt. Generalsanierungen, Solaranlagen und die umfassende Renovierung 2001 bis 2003 mit der charakteristischen Glasveranda und dem direkten Blick auf den Großglockner formten das heutige Bild.
Die exponierte Hochgebirgslage stellt dabei stets hohe Anforderungen an Betrieb und Infrastruktur. Extreme Witterung, kurze Bausaison und anspruchsvolle Logistik machen laufende Investitionen unumgänglich – so wie aktuell wieder, wo Modernisierungen und Umbauten den historischen Charakter bewahren und zugleich zeitgemäße Standards sichern sollen. Eine Aufgabe, der sich der Alpenverein Klagenfurt seit 150 Jahren mit Überzeugung stellt.
Von Mitte Mai bis September geöffnet, ist das Glocknerhaus heute Ausgangspunkt für Hochtouren und Gletscherwanderungen zur Pasterze, dem größten Gletscher der Ostalpen, Ausbildungsstätte, Seminarzentrum und lebendiger Treffpunkt für Naturbegeisterte aus aller Welt – ein Ort, der seit 150 Jahren Berge und Menschen verbindet.
Der Alpenverein und das Wegenetz (Station 2)
Rund 26.000 Kilometer markierte Wege und 225 Hütten prägen das alpine Netz des Österreichischen Alpenvereins. Insgesamt 193 Sektionen und etwa 25.000 Ehrenamtliche garantieren Erhalt, Sicherheit und eine nachhaltige Entwicklung im Alpenraum. Jede Sektion und Ortsgruppe trägt dabei Verantwortung für ihre alpine Heimat.
Wegmarkierungen in Österreich
Alle Alpenvereinswege in Österreich folgen einem einheitlichen System. Die Farbe am Wegweiser zeigt auf einen Blick, was dich erwartet und hilft dir, die richtige Tour für dei Können zu wählen.
Bergwege mit blauem Punkt sind einfachere Wege, die schmal und steil sein können
Bergwege mit rotem Punkt sind überwiegend schmal, oft steil angelegt und
können absturzgefährliche Passagen aufweisen. Es können kurze versicherte Gehpassagen vorkommen.
Bergwege mit schwarzem Punkt sind schmal, oft steil angelegt und absturzgefährlich. Es kommen zudem gehäuft versicherte Gehpassagen und/oder einfache Kletterstellen
vor, die den Gebrauch der Hände erfordern. Trittsicherheit und Schwindelfreiheit sind unbedingt erforderlich!
Alpine Routen führen in das freie alpine, bzw. hochalpine Gelände und sind keine
Bergwege im vorangegangenen Sinn. Sie können exponierte, ausrutsch- und
absturzgefährdete sowie ungesicherte Geh- und Kletterpassagen enthalten.
Unverzichtbar am Berg – Tausende Freiwillige sichern das alpine Wegenetz
Jahr für Jahr für uns alle
Der Österreichische Alpenverein betreut 26.000 Kilometer markierte Bergwege und 225 Schutzhütten. So auch die Sektion Klagenfurt mit ihren Ortsgruppen: Sie pflegt und sichert 500 Kilometer Wege durch die Kärntner Bergwelt, von sanften Tälern bis ins hochalpine Gelände, auch rund um den Großglockner.
Die Arbeit der Wegewartung geschieht aus Verpflichtung mit unausgesprochener Selbstverständlichkeit. Mindestens einmal im Jahr muss der Wegezustand erhoben und festgestellte Schäden behoben werden, um die sichere Begehbarkeit der Wege zu garantieren.
Ohne laufende Pflege würden Wege zuwachsen und erodieren, Stege und Brücken unbegehbar sowie Seilversicherungen nicht nutzbar werden. Größere Schäden führen zu Sperrungen, Unmut bei den Wanderern und viel Arbeit für die Ehrenamtlichen. Einheitliche gelbe Wegweiser mit Zielangaben und Gehzeiten sowie Rot-Weiß-Rote Zwischenmarkierungen sorgen österreichweit für Orientierung. Dieses standardisierte System schützt und rettet Leben. Gut gewartete und markierte Wege verringern nachweislich die Zahl der Bergrettungseinsätze und halten Wandernde auf sicheren, geprüften Routen.
Kein Wegweiser ersetzt jedoch die eigene sorgfältige Tourenvorbereitung. Im Vorfeld eingeholte Wegezustands- und Wetterberichte entscheiden vorab über die Durchführung, aktuelle Wetterereignisse oder über den Abbruch einer Tour. Das Wetter kann sich im Hochgebirge innerhalb von Minuten ändern – Gewitter, Niederschlag, Nebel und Sturm erschweren Orientierung und Weiterkommen.
Das alpine Wegenetz lebt vom Engagement vieler freiwilliger Hände und vom verantwortungsvollen Handeln jedes Einzelnen. Wegweiser, Markierungen und Sicherungen geben Orientierung, doch Sicherheit entsteht erst durch richtige Selbsteinschätzung und aufmerksames Lesen der Zeichen der Natur. Diese Umsicht gewährt ein sicheres Ankommen. Wer Zweifel hat, kehrt um. Denn auf dem Berg zählt nicht, wie weit man gegangen ist, sondern dass man wieder sicher nach Hause kommt.
Fauna des Hochgebirges (Station 3)
Leben am Limit
Das Hochgebirge ist geprägt von kurzen Sommern, langen und strengen Wintern, extremen Temperaturschwankungen, kräftigen Winden, hoher UV-Strahlung, kurzen Vegetationsperioden und plötzlichen Wetterumschwüngen. Diese außergewöhnlichen Bedingungen stellen für alle Lebewesen eine ständige Herausforderung dar. Nur hochspezialisierte Arten mit besonderen Anpassungen können hier dauerhaft bestehen.
Über Jahrtausende hinweg entwickelte sich eine einzigartige Hochgebirgsfauna wie z. B. die Alpenschneehühner oder Murmeltiere. Der Gletscherfloh ist ein winziger Springschwanz, der sich von kleinsten Algen ernährt und auf einer Gletscheroberfläche überleben kann. Der Gletscherweberknecht (Mitopus glacialis) – der nur in den Hochgebirgsregionen der Alpen vorkommt – sucht in Gletschernähe nach Nahrung. Diese Überlebenskünstler einer rauen Welt geraten jedoch heute zunehmend unter Druck.
Der Klimawandel als existentielle Bedrohung
Der Klimawandel wirkt sich im Alpenraum besonders stark aus. Gletscher ziehen sich zurück, die Schneegrenze steigt, Vegetationszonen verschieben sich und Wälder dringen immer weiter in höhere Lagen vor. Gleichzeitig wandern wärmeliebende Arten nach oben. Für hochalpine Spezialisten bedeutet dies vor allem Lebensraumverlust. Sie werden in immer kleinere Restflächen gedrängt – ein Ausweichen nach oben ist jedoch meist nicht mehr möglich.
Extremkletterer unter Druck
Die Gämse (Rupicapra rupicapra) ist perfekt an ein Leben im Hochgebirge angepasst. Ihre scharfkantigen, elastischen Schalen mit griffigen Sohlenpolstern sowie der kompakte Körperbau mit kräftigen, verlängerten Hinterläufen ermöglichen sicheren Halt, präzise Sprünge und ein effizientes Klettern im steilen, felsigen Gelände.
Für die Gämse bringt der Klimawandel gleich mehrere Probleme mit sich. Zum einen führen die wärmeren Temperaturen zur Verknappung hochwertiger Nahrung. Gräser und Kräuter verholzen früher und werden dadurch schwerer verdaulich. Zum anderen schrumpft ihr Lebensraum. Wälder dehnen sich immer weiter auf den Bergen aus (Verschiebung der Waldgrenze), die Gämse bevorzugt jedoch wenig bewachsene Felsgebiete.
Darüber hinaus ist die Gämse schlecht auf anhaltende Wärme vorbereitet. Um eine Überhitzung zu vermeiden, muss sie vermehrt Schatten aufsuchen und ihre Aktivität reduzieren, um Energie zu sparen. Auch die Ausbreitung von Krankheiten und Parasiten wird durch ein mildes Klima begünstigt und schadet der Gämse.
Zusätzlicher Druck ensteht duch Störung ihres Lebensraums durch Wintersport, Wandern und Mountainbiking. Wird die Gämse wiederholt aufgeschreckt, verbraucht sie unnötig Energie – besonders im Winter kann dies lebensgefährlich werden, wenn die Reserven knapp sind.
Der Steinadler – König der Lüfte
Der Steinadler (Aquila chrysaetos) gilt als der größte und imposanteste Greifvogel des Alpenraums. Mit einer Flügelspannweite von bis zu 2,5 m nutzt er Thermik und Aufwinde, um stundenlang über offene Hänge, Almen und Geröllflächen zu kreisen. Dabei hält er gezielt Ausschau nach Beute wie Alpenschneehühner, Murmeltiere, Junghasen und junge Gämsen. Seine Sehleistung übertrifft die des Menschen um ein Vielfaches und ermöglicht das Erkennen kleinster Bewegungen aus großer Höhe.
Sie benötigen großräumige, weitgehend ungestörte Jagdgebiete. Steinadler brüten in unzugänglichen Felswänden. Innerhalb eines Reviers werden meist mehrere Horststandorte genutzt, die jährlich gewechselt werden. Steinadlerpaare leben monogam und oft über viele Jahre gemeinsam.
Der Klimawandel wirkt sich auf den Steinadler indirekt aus, da sich durch Veränderungen im Hochgebirge die Anzahl seiner Beutetiere wie Alpenschneehuhn und Murmeltier verringert. Auch das Verschwinden der offenen Jagdgebiete und Störungen durch den Menschen schadet den Tieren. Es wird weniger Nachwuchs ausgebrütet oder neue Reviere aufgesucht.
Kältespezialist in Schneenot
Das Alpenschneehuhn (Lagopus muta) bewohnt offene, baumfreie Bereiche oberhalb der Waldgrenze und ist perfekt an extreme Kälte, Wind und lange Schneeperioden angepasst. Vollständig befiederte Füße und Zehen verhindern das Einsinken im Schnee und erleichtern eine Fortbewegung auf weichem Untergrund. Auch die Nasenöffnungen sind befiedert. Das Gefieder des Alpenschneehuhns# ist im Sommer braun-grau gesprenkelt, um sich gut zwischen Felsen und Geröll verstecken zu können. Im Winter ist es durch das schneeweiße Federkleid im Schnee kaum zu erkennen.
Herausforderungen durch den Klimawandel
Für das Alpenschneehuhn sind die kürzeren, schneearmen Winter besonders problematisch. Ohne die geschlossene Schneedecke wird es im weißen Winterfederkleid für Fressfeinde plötzlich deutlich sichtbar. Gleichzeitig schrumpft der Lebensraum, da wärmeliebende Arten nachrücken. Ein Ausweichen in höhere Lagen ist kaum möglich.
Winterschläfer ohne Winter
Alpenmurmeltiere (Marmota marmota) bewohnen subalpine und alpine Rasen (Matten) oberhalb der Baumgrenze. Sie leben in stabilen Familienverbänden und halten zwischen Oktober und Ende April in selbstgegrabenen Erdbauten tief unter der Schneedecke gemeinsam ihren Winterschlaf. Die Körperwärme der älteren Tiere trägt zum Überleben der Jungtiere bei.
Die kurzen Sommermonate dienen fast ausschließlich der Nahrungsaufnahme, dem Aufbau von Fettreserven und sozialen Interaktionen. Wachposten sichern die Gruppe, bei Gefahr warnen charakteristische Pfiffe die Artgenossen.
Bedrohung durch den Klimawandel
Steigende Temperaturen und kürzere Winterperioden stören die Tiefe und Dauer des Winterschlafs. Häufiges Erwachen führt zu erhöhtem Energieverbrauch, wodurch Fettreserven früher aufgebraucht werden. Gleichzeitig nimmt die isolierende Schneedecke ab, was das Risiko von Kälte- und Erfrierungsschäden erhöht. Die Verbuschung ehemals offener Almflächen verringert zudem geeignete Äsungsflächen.
Weitere Belastung durch den Menschen
Zusätzlich wirkt die intensive Freizeitnutzung des Hochgebirges durch den Menschen als Störfaktor. Wiederholtes Aufscheuchen während der Sommermonate reduziert die Zeit für Nahrungsaufnahme und Fettaufbau. Dadurch kann das Überleben im folgenden Winter deutlich beeinträchtigt werden.
Gletscher – Ewiges Eis? (Station 4)
Gletschereis entsteht aus Schnee, der durch sein eigenes Gewicht zu Eis zusammengepresst wird. Aus 80 Zentimeter Neuschnee wird 1 Zentimeter Gletschereis. Wenn sich genügend Eis gebildet hat, beginnt es wie ein sehr langsamer Fluss den Hang herunter zu fließen: Ein Gletscher ist entstanden.
Gletscher reagieren sensibel auf Klimaänderungen. In wärmeren Klimaperioden schmelzen sie über die Jahrzehnte ab. In kälteren Klimaperioden wachsen sie.
Die Pasterze ist der mit einer aktuellen Länge von 7,5 km (noch) größte Gletscher Österreichs und liegt am Fuße des Großglockners, der mit 3798 m über Adria der höchste Berg Österreichs ist. Seit 1850 hat die Pasterze jedoch 2/3 seiner Eismasse verloren. Ein deutliches Zeichen des aktuellen Klimawandels.
Die frühere Ausdehnung des Gletschers ist an Moränenwällen zu erkennen. Diese bestehen aus Sand und Schutt, die zum Beispiel am Rand der Gletscherzunge angehäuft werden und die nach dem Rückzug des Gletschers zurückbleiben. Im Untergrund hinterlässt der Gletscher Hohlformen, die sich nach Abschmelzen des Eises mit Wasser füllen.
Warum Gletscher wichtig sind
Getscher gehören zu den wichtigsten Speichern für Süßwasser – und dieses Süßwasser benötigen wir nicht nur zum Trinken, sondern auch für die Landwirtschaft und die Energie-gewinnung. Rund 70 % des weltweiten Süßwassers ist in Gletschern gebunden. Im Winter binden Gebirgsgletscher Süßwasser als Schnee und Eis, das als Schmelzwasser in tiefere Lagen transportiert wird. Sie füllen auch in trockenen Jahren die Flüsse und die unterirdischen Trinkwasserspeicher. Wasserkraftwerke können sich auf die Durchflussmengen verlassen. Versiegt das Schmelzwasser, trocknen Flüsse und alpine Täler in regenarmen Sommern aus. Der Grundwasserspiegel sinkt und auch in tieferen Lagen kommt es zu Wasserknappheit! Die konstante Erzeugung von Energie in Wasser-kraftwerken kann nicht mehr gewährleistet werden.
Weltweit führt das Schmelzen der Gletscher zum Ansteigen des Meeresspiegels und bringt Mensch und Tier an den Küsten in Gefahr. Eine wenig bekannte Folge ist die Versalzung des Trinkwassers in diesen Regionen - eine Bedrohung für Millionen von Menschen. Laut neuesten Studien hat sich die Fläche aller Gletscher der Alpen seit 1850 halbiert!
Die Pasterze und das Klima
Während der Würm Kaltzeit (Beginn 115.000 Jahre vor heute) waren fast die gesamten Alpen von Eismassen bedeckt. Der Drau-Gletscher erstreckte sich von den Hohen Tauern bis nach Griffen. Nur einige Bergspitzen wie der Großglockner oder der Dobratsch ragten aus dem Eis. Klagenfurt lag unter einer 600 m mächtigen Eisdecke.
Gegen Ende dieser Kaltzeit vor etwa 20.000 Jahren erwärmte sich das Klima langsam und die Eismassen begannen zu schmelzen. Mit Beginn der jetzigen Warmphase vor 11.700 oder 12.000 Jahren hatten sich die Gletscher in Hochlagen wie am Großglockner zurückgezogen.
Das regionale Klima ist seither jedoch nicht beständig. Aufgrund sich verändernder Sonneneinstrahlung und geologischer Extremereignisse wechselten sich wärmere und kältere Perioden mit Temperaturunterschieden um etwa 1 Grad im Vergleich zu heute ab.
Belege für wärmere Perioden sind unter anderem Funde von Torf, Holzresten und gelegentlich ganzen Baumstämmen, die mit dem Abschmelzen der Pasterze aus dem Eis freigegeben werden. Datierungen der Holzreste zeigen das Alter dieser Bäume und damit die Zeiträume, in denen das Pasterzental bewaldet war.
Vielfach wird Holz der Zirbe gefunden. Sie wächst in der kargen Umwelt hochgelegener Bergrücken und auf schroffen Felshängen in Lagen zwischen 1500 und 2700 Metern Höhe, wo sie ein Alter bis zu 400 Jahren erreicht. Ihre Anpassung an das raue Gebirgsklima macht die Zirbe zum Anzeiger der oberen Waldgrenze. Steigt die Waldgrenze durch die steigenden Temperaturen, so wandert auch die Zirbe wieder in höhere Gebirgslagen. Stoßen die Gletscher aufgrund sinkender globaler Temperaturen vor, so überfahren sie die bestehenden Wälder.
Die bisher ältesten Baumfunde aus dem Pasterzeneis stammen aus einer warmen Periode vor etwa 9.000 Jahren, als das Pasterzental sumpfig und dünn bewaldet war
Vor etwa 8000 bis 6000 Jahren führte eine geringe Veränderung der Umlaufbahn der Erde zu einer erhöhten Sonneneinstrahlung. Man spricht vom holozänen Klimaoptimum. Die warmen Temperaturen begünstigten die Sesshaftwerdung des Menschen. Ein im Jahre 2014 gefundener Zirbenstamm aus dieser Periode konnte auf über 6.000 Jahre vor heute datiert werden.
Zwischen 6000 und 4000 Jahren vor heute war es vermutlich häufig kühler. Die Ausdehnung der Pasterze ist nicht bekannt, war jedoch vermutlich kleiner als 1850.
Während des römischen Klimaoptimums und der Mittelalterlichen Warmzeit war es in Europa so warm, dass Weinanbau sogar in England möglich war. Zu dieser Zeit gab es nur geringe vulkanische wie auch solare Aktivität. 1952 fand man einen Zirbenstamm im Pasterzenvorland, der in den Jahren von 1265 bis 1595 gewachsen war. Die Baumgrenze lag demnach höher als heute.
Während der darauffolgenden kleinen Eiszeit wächst die Pasterze. 1850 erreichte sie ihre größte Ausdehnung seit dem Ende der Eiszeit und reichte mit 11,4 km Länge bis zum Beginn der Möllschlucht.
Seit 1850 erwärmt sich das Klima jedoch stetig. Die heutigen globalen Temeraturen überschreiten im 10-Jahresmittel bereits alle Werte der Nacheiszeit. Die Pasterze ist bereits auf 1/3 ihres Volumens von 1850 geschrumpft, der Höhenunterschied beträgt mehr als 300 Meter. Mit fortschreitendem Klimawandel könnte in der Zukunft das Pasterzen-Tal wieder bewaldet sein.
Die Vermessung der Pasterze
Wie misst man den Höhenverlust eines Gletschers?
Zur Vermessung eines Gletschers sind fixierte Referenzpunkte bzw. Profillinien notwendig. An der Pasterze sind dies die Burgstall- und die Seelandlinie, die bereits seit fast 100 Jahren zur Vermessung genutzt werden.
Aus dem Verlust der Länge und Höhe lässt sich das verlorene Volumen – also der Mengenverlust – rechnerisch abschätzen.
Eisverlust:
Änderung der Länge und Höhe eines Gletschers
Die größte nacheiszeitliche Ausdehnung hatte die Pasterze während der Kleinen Eiszeit um 1620 und 1850. Seit 1852 – also seit dieser maximalen Ausdehnung - wird die Länge der Pasterze fast ununterbrochen dokumentiert und alle Rückgänge und kleineren Vorstöße aufgezeichnet.
Die Veränderung eines Gletschers in der Länge und Höhe ist nicht nur von den Temperaturen im Winter und im Sommer abhängig, sondern auch vom winterlichen Schneefall. Es muss also genügend Niederschlag fallen und die Temperaturen längere Zeit unter dem Gefrierpunkt liegen, damit sich der Schnee ansammeln und sich daraus Gletschereis entwickeln kann.
Dabei reagieren Gletscher reagieren nicht sofort auf eine Klimaveränderungen, sondern verzögert um einige Jahre bis Jahrzehnte. Nur wenn über einen längeren Zeitraum nur minimale Änderungen auftreten, befinden sich Gletscher im Gleichgewicht. Das war bei der Pasterze zuletzt zwischen 1910–1930 der Fall.
Der Gletscherbericht
Der Gletscherbericht des Österreichischen Alpenvereins erscheint jährlich im Mitgliedermagazin „Bergauf“ und informiert umfassend über die Entwicklung der heimischen Gletscher. Unter der Ägide der Universität Graz (Instituts für Geographie und Raumforschung, Dr. G. Lieb & Dr. A. Kellerer-Pirklbauer) vermessen ehrenamtliche Mitarbeiter regelmäßig 90 Gletscher. Ergänzende Informationen und der „Gletschermonitor“ sind auf der Webseite des Alpenvereins abzurufen (https://www.alpenverein.at). Die Dokumentation der Gletscherveränderungen seit mehr als 100 Jahren machen die Auswirkungen des Klimawandels deutlich sichtbar.
Die Zukunft der Pasterze
Die Wissenschaft prognostiziert, dass die Gletscherzunge der Pasterze etwa bis 2050 fast völlig verschwunden sein wird. Das Abschmelzen des Eises beschleunigte sich in den letzten beiden Jahrzehnten dramatisch und das Abreißen des Gletscherfalls am Hufeisenbruch ist nur noch eine Frage der Zeit. Das zurückbleibende Eis im Pasterzental hat keine Verbindung zum zurückschmelzenden, aktiven Gletscher mehr und wird als Toteis bezeichnet. Mit den Jahren wird auch dieses Toteis schmelzen und ein riesiger Schotterbereich mit kleinen temporären Seen entsteht, der langsam von der Vegetation zurückerobert wird. Oberhalb des Hufeisenbruchs wird sich der Gletscher auf Höhen von über 3000 m zurückziehen.
2063 wird von der Pasterze weniger als 10 % seines Volumens von 2020 übrig sein. Aber schon nach dem Abreißen der Gletscherzunge am Hufeisenbruch ist sie nicht mehr der größte Gletscher Österreichs!
Eiszeiten und Gletscher
Was ist eine Eiszeit?
Ein Eiszeitalter nennt man einen Zeitabschnitt der Erde, in dem mindestens ein Pol der Erde vereist ist. In einem Eiszeitalter unterscheidet man Kaltzeiten, in denen sich innerhalb weniger hundert Jahre die Eismassen von den Polen und den Gebirgen stark ausdehnen und Warmzeiten, in denen sich die Eismassen zurückziehen. Zwischen einer Kaltzeit und einer Warmzeit schwankt die globale Mitteltemperatur in der Größenordnung von 5° C. Selbst die Warmzeit hat kältere Abschnitte, die jedoch nie so kalt sind wie in einer echten Kaltzeit. Das Gegenteil eines Eiszeitalters nennt man ein Warmklima.
Das jetzige Eiszeitalter begann vor 2,6 Millionen Jahren. Im Rhythmus der astronomischen Schwankungen wechseln sich seitdem lange Kaltzeiten mit einer Dauer von ungefähr 100.000 Jahren mit kurzen Warmzeiten, die zwischen 10.000 und 30.000 Jahre andauern, ab. Viermal waren seitdem die Alpen (fast) vollständig mit Gletschern bedeckt. Die letzte Kaltzeit begann vor 115.000 Jahren und wird in den Alpen Würm-Eiszeit genannt. Vor etwa 11.700 Jahren endete diese Kaltphase und unsere jetzige Warmzeit begann.
Wie entstehen Eiszeiten
Damit ein Eiszeitalter entstehen kann, müssen unterschiedliche irdische und astronomische Faktoren zusammenwirken.
Auf der Erde müssen Kontinente durch plattentektonische Prozesse in der Nähe der Pole gelangt sein. Gibt es genügend Niederschläge, sammeln sich Schneemassen an, die einen großen Teil der eintreffenden Sonnenstrahlung zurückstrahlen. Bei einer großflächigen Vereisung geht der Erde so Sonnenenergie ohne Umwandlung in Wärme verloren. Das wiederum treibt die Abkühlung weiter voran und verstärkt nochmals die Eisbildung. Soviel mehr Eis sich also ansammelt, desto kälter wird es, und noch mehr Eis kann sich bilden. Dieser sich selbst verstärkende Effekt wird Eis-Albedo-Rückkopplung genannt.
Zu den astronomischen Faktoren gehört die Verteilung der Sonnenenergie auf der Erde, die sich durch drei Zyklen verändern kann.
Aufbau eines Gletschers
Gletscher fließen langsam ins Tal. Damit der Eisfluss aufrecht bleibt, muss im oberen Bereich des Gletschers – dem Nährgebiet – Eis neu gebildet werden. Dafür muss es zum einen genügend Schneefall im Winter geben und zum anderen dürfen die Sommertemperaturen nicht zu hoch sein, damit der gefallene Schnee nicht komplett wieder schmilzt. Über die Jahre wird aus dem Schnee durch Verdichtung Gletschereis.
Im unteren Bereich des Gletschers liegt das Zehrgebiet. Hier ist es im Sommer wärmer, sodass der Schnee des letzten Winters wie auch das zu Tal geflossene Eis schmelzen. Unterscheiden lassen sich Schnee und Eis an ihren Farben: Während die Schneedecke weiß ist, erscheint das Eis grau-bläulich.
Vermutlich bis 2050 wird die Pasterze den Zusammenhang zu ihrem Nährgebiet verlieren und damit nicht mehr der größte Gletscher Österreichs sein.
Moränen sind die sichtbaren Zeugen der Gletscher. Sie entstehen bei der Bewegung der Gletscher, wodurch Gesteinsschutt transportiert und später abgelagert wird. Dabei wird sowohl das Material (Sediment) wie auch die Form als Moräne bezeichnet. Man unterscheidet End- und Seitenmoränen, sowie Grundmoräne.
Das Moränenmaterial besteht aus größeren Felsen, Kieseln und feinem abgeriebenen Sand. Moränen sind nach dem Rückzug des Gletschers oft sichtbar in Form von Wällen. Die Moränen der kleinen Eiszeit um 1850 sind häufig heute noch im hochalpinen Gelände zu sehen und zeugen von der letzten größeren Ausdehnung der Gletscher.
Merkmale und Spuren eines Gletschers
Die gewaltige Kraft der Gletscher hinterlässt vielfache Spuren auf der Erdoberfläche, die es uns ermöglichen, ihren Verlauf in der Vergangenheit nachzuvollziehen.
Eisbruch: In einer Steilzone des Gletschers zerreißt das Eis wegen der hohen Fließgeschwindigkeit. Ein Gewirr von Spalten und Eistürmen entsteht.
Hängegletscher: Gletscher mit steiler Eisfront, von der Eislawinen abgehen.
Nunatakker: Inselartig aus dem Eis herausragender Berggipfel.
Kar: Von einem Gletscher steilwandig in den Berg eingeschnittene Mulde.
Karling: Durch Verschneidung von Karen entstandene spitze Berggipfel.
Gekritztes Geschiebe: Im Gletscher werden eine Vielzahl von Steinen mittransportiert, die sich berühren und aneinander reiben. Dabei entstehen unzählige Kratzer auf der Gesteinsoberfläche, die man „Kritzung“ nennt. Die Steine selber nennt man dann „gekritztes Geschiebe“.
Gletschertöpfe: Auskolkungen und runde Vertiefungen im Gestein nennt man Gletschertopf. Durch den Materialtransport mit dem Gletscher kann Schmelzwasser mit Sand und Steinen den darunterliegenden felsigen Untergrund aushöhlen und formen.
Gletscherschliff und Gletscherschrammen: Der vom Gletscher transportierte grobe Gesteinsschutt schürft Schrammen in den Untergrund und das umgebende Gestein, während feiner Schutt diesen poliert.
Findlinge: Auch Gesteinsbrocken größeren Ausmaßes können von Gletschern über oft weite Distanzen (hunderte Kilometer) transportiert werden. Dort bleiben sie nach Rückzug der Gletscher liegen.
Blockgletscher
Blockgletscher sind ein Gemenge aus Schutt und Eis, dessen Kern gefroren ist (Permafrost). Sie entstehen zum Beispiel beim Rückgang eines schuttbedeckten Gletschers in einem Talkessel (Kar) oder aus verwittertem Gesteinsschutt, der mit Bodenwasser zu einem Gemenge gefriert. Ein aktiver Blockgletscher bewegt sich wie ein Eisgletscher langsam hangabwärts. Blockgletscher sind seichte Grundwasserkörper und habe als solche eine wichtige hydrologische Funktion im alpinen Bereich. Sie speichern Regen und Schmelzwasser als Bodeneis, das an warmen Tagen wieder vermehrt abgegeben wird. Ober- und unterhalb des gefrorenen Schutt-Eis-Gemischs kann Wasser fließen, das als Schmelzwasser in einer oder mehreren Quellen austritt. Wasser unterhalb des Blockgletschers versickert und speist das Grundwasser. Schmelzen Blockgletscher ab bleibt eine Gesteinszunge zurück, die noch als wichtiger Grundwasserleiter fungiert. Einer der größten Blockgletscher in Kärnten befindet sich im Dösental bei Mallnitz (Nationalpark Hohe Tauern). Eine Wanderung über den Blockgletscherweg gibt gute Einblicke über den Schutt-Eis-Strom, dessen Schmelzwasser sich im Dösensee sammelt.
Gletscherschmelze
Alle Gletscher in Kärnten und Österreich zogen sich in den letzten Jahren deutlich zurück, doch dies ist kein lokales Phänomen. Die beschleunigende Zunahme der anthropogenen Treibhausgase führt unmittelbar zu einem Anstieg der globalen durchschnittlichen Jahresmitteltemperatur und zu einem weltweiten Rückgang der Gletscher. Dabei stechen vor allem die gemäßigten Zonen mit einem deutlichen Rückgang der Masse an Gletschereis hervor. Für Zentraleuropa insbesondere der Alpen sind in den letzten 23 Jahren (2000-2023) fast 39 % der Masse an Gletscher verschwunden. Global beträgt die Veränderung der Gletschermengen (ohne Eisschilde in Grönland und Antarktis) nur 5,4 %, das sind −6.542 Gt Eis, was einem Beitrag zum Meeresspiegelanstieg (2000–2023: 90 mm) von ca. 18 mm entspricht. Zu beachten ist allerdings, dass der Massenverlust im Zeitraum 2012-2023 gegenüber den ersten 10 Jahren (2000–2011) um 36 % zugenommen hat. Das heißt das Abschmelzen und die negative Massenbilanz beschleunigen sich.
Gletscher und ihre Auswirkungen auf die Trinkwasserversorgung und das Klima
Gletscher sind mit die größten Süßwasserspeicher der Erde. Weltweit erhalten schätzungsweise 1/5 der Weltbevölkerung ihr Trinkwasser aus Hochgebirgsgletschern. Auch in den Alpen sind die Gletscher wichtig für den hydrologischen Kreislauf. In Sommer sorgen sie durch Schmelzvorgänge für einen stetigen Abfluss und füllen in trockenen Zeiten die Flüsse. In Auenbereichen versickert dieses Wasser und bildet neues Grundwasser. Sollten die Gebirgsgletscher eines Tages verschwunden sein, trocknen Flüsse in heißen Sommern schneller aus und ohne das Gletscherwasser ist die Grundwasserneubildung rein vom Niederschlag abhängig. Als Folge sinkt der Grundwasserspiegel – auch in den Tälern und Ebenen. Mittelfristig ist die österreichische Trinkwasserversorung nicht auf das Gletscherwasser angewiesen, aber auch andere Folgen der Gletscherschmelze sind zu bedenken: Die Klimaentwicklung führt zu trockeneren Wintern mit wenig Schneefall. In Folge sind die Felsen nicht mehr durch Schnee bedeckt, welcher die Sonnenenergie zurückstrahlt, sondern nehmen die Energie in Form von Wärme auf. Dadurch wird das Abschmelzen weiter beschleunigt. Die Klimaerwärmung verändert wiederum Temperaturverlauf und Luftfeuchtigkeit, die in den Alpen zu Überflutungen, Erdrutschen und Wasserknappheit bzw. Dürreperioden führen kann. Schon heute leiden Land- und Forstwirtschaft unter der zunehmenden Trockenheit. In Kärnten lag der Niederschlag in den ersten 3 Monaten des Jahres um rund 19 % niedriger als im Durchschnitt (Quelle: https://www.bmluk.gv.at).