Ingeborg Bachmann FAMILIE
Ingeborg Bachmann hatte, vielleicht gerade aufgrund ihres Fernwehs, der mehrfachen Ortswechsel und zuweilen prekären Lebensumstände, eine zeitlebens aufrechte Bindung zu ihrer Familie.
Ingeborg Bachmann hatte, vielleicht gerade aufgrund ihres
Fernwehs, der mehrfachen Ortswechsel und zuweilen prekären
Lebensumstände, eine zeitlebens aufrechte Bindung zu ihrer
Familie. So hat sie die Eltern in Klagenfurt immer wieder besucht
und auch in zahlreichen Briefen an ihrem Leben teilhaben
lassen. Umgekehrt nahm die Familie interessierten Anteil an
ihrem Leben. Mit ihrer Schwester Isolde (geb. 1928) verbindet
sie unter anderem die erste längere Italienreise im Jahr 1952.
Den 1939 geborenen Bruder Heinz soll Ingeborg Bachmann
so geliebt haben, dass ein konkurrenzierendes Verhältnis zur
Mutter die Folge war.
Eine tiefe Verbundenheit mit Herkunft und Familientradition
kommt auch darin zum Ausdruck, dass Ingeborg Bachmann
den Brautkasten ihrer Großmutter und ein evangelisches
Gebetsbuch aus dem frühen 17. Jahrhundert (Erstdruck 1601,
Nachdruck nach 1700) zu den ihr wichtigsten Gegenständen des
väterlichen Erbes zählte (beide Objekte zu sehen im Ingeborg
Bachmann Haus Klagenfurt). Mit ihrer Mutter, sie stammte aus
Heidenreichstein in Niederösterreich, verbindet sie wiederum die
Liebe zur Musik und – ein Faible für Waldviertler Kartoffelknödel.
In dem posthum veröffentlichten Prosafragment „Der Tod wird
kommen“ entwirft Ingeborg Bachmann das Panorama einer Großfamilie
gleichsam als körperhaftes Wesen, das alle seine Teile,
ungeachtet ihrer Stärken, Schwächen, Leistungen, Fehltritte
usw., miteinschließt.