HEIMAT IM SCHREIBEN – LITERARISCHE UTOPIE

Ingeborg Bachmann begann ihrer eigenen Aussage zufolge im Alter von elf, zwölf Jahren zu schreiben und hielt bis zu ihrem Tod 1973 in Rom daran fest.

Ingeborg Bachmann begann ihrer eigenen Aussage zufolge im Alter von elf, zwölf Jahren zu schreiben und hielt bis zu ihrem Tod 1973 in Rom daran fest. Leben und Schreiben fallen bei ihr in Eins: „… ich existiere nur, wenn ich schreibe, ich bin nichts, wenn ich nicht schreibe, ich bin mir selbst vollkommen fremd, aus mir herausgefallen, wenn ich nicht schreibe“, heißt es in ihrer Rede zur Verleihung des Anton-Wildgans-Preises 1972. Demzufolge lassen sich Heimat- oder Zugehörigkeitsgefühle primär in der Literatur verorten, wie in dem Gedicht „Böhmen liegt am Meer“ (entstanden 1964), das Ingeborg Bachmann selbst zu ihren bedeutendsten und liebsten zählte. In dem vielschichtigen Text überwindet das lyrische Ich Grenzen jeglicher Art und führt Gegensätzliches und Auseinanderliegendes zusammen. Vielleicht spiegelt sich darin auch eine ferne Reminiszenz an die Herkunftsorte des Vaters, Matthias Bachmann aus Obervellach im Gailtal, und der Mutter, geborene Olga Haas aus Heidenreichstein in Niederösterreich. Herkunftsorte, die – an der österreichisch-italienisch-slowenischen Grenze gelegen der eine, an der österreichisch-tschechischen der andere – jenes „Haus Österreich“ definieren, wie es Ingeborg Bachmann im Sinne eines übernationalen Sehnsuchtsraums oder einer literarischen Utopie mehrfach beschrieben hat.

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