GÖTTERWELT
Die Göttinnen und Götter Ägyptens treten uns Heutigen fremdartig und in verwirrender Vielfalt entgegen: Teils werden sie menschengestaltig dargestellt
Die Göttinnen und Götter Ägyptens treten uns Heutigen fremdartig und in verwirrender
Vielfalt entgegen: Teils werden sie menschengestaltig dargestellt, teils in Tierformen, teils
als Mischgestalten. Dabei kann eine Erscheinungsform unterschiedlichen Gottheiten
zukommen und umgekehrt eine Gottheit in verschiedenen Gestalten auftreten. Gottheiten
können sogar miteinander gleichgesetzt werden. Die Götter bilden nach ägyptischer
Vorstellung jedenfalls eine hierarchisch gegliederte Welt, die mächtiger als die Menschheit
ist und z. B. als Naturkräfte auf das menschliche Leben einwirken. Sie können hilfreich, aber
auch gefährlich sein. Es war Aufgabe des täglichen Tempelkults mit seinen Riten, Rezitationen
und Opfern, die Gottheiten so zu beeinflussen, dass sie im Sinne einer stabilen Weltordnung
handelten. Der Einzelne vergewisserte sich der göttlichen Hilfe etwa durch Zaubersprüche
oder das Tragen von Amuletten.
OSIRIS UND SEINE FAMILIE
Osiris ist der tote, von Seth ermordete
Gott in der Unterwelt, gleichzeitig der
nächtliche Sonnenleichnam. Die Göttinnen
Isis und Nephthys waren Schwestern und
zugleich Geschwister des Osiris. Isis war
außerdem seine Gattin, die dank ihrer
Zauberkraft vom toten Osiris den gemeinsamen
Sohn Horus empfing. Dieser kämpft
gegen Seth und regiert als lebender Nachfolger.
Diese Konstellation ist das Muster für das
ägyptische Königtum und gibt jedem
Verstorbenen die Honung, zum Leben
aufzuerstehen. Isis und Nephthys fungieren
zusammen als Klagefrauen des toten Osiris.
Da jeder Mensch im Tode das Schicksal des
Osiris erleidet, erhote man sich von den
Göttinnen dieselbe Hilfe, die Osiris
zuteilwurde.