Totenkult
Neben dem Götterkult war die Sorge für die Toten der zweite große Bereich religiöser Praxis. Da die Ägypter davon überzeugt waren, Menschen würden nach ihrem Tod im Jenseits in einer verklärten Form weiterleben
Neben dem Götterkult war die Sorge für die Toten der zweite große Bereich religiöser
Praxis. Da die Ägypter davon überzeugt waren, Menschen würden nach ihrem Tod
im Jenseits in einer verklärten Form weiterleben, war für eine dauerhafte Ausstattung
der Verstorbenen mit materiellen Versorgungsgütern zu sorgen, wovon die vielen
Grabbeigaben zeugen. Außerdem mussten den Toten kontinuierlich Speise- und
Trankopfer entweder wirklich dargebracht oder durch magisch wirkende Wiedergaben
aus unvergänglichem Material substituiert werden. Bei all dem war die Erhaltung eines
potenziell funktionsfähigen Körpers wichtig, daher die Mumifizierung. Zusätzlich sollten
Totentexte auf Papyrus und Amulette – auch direkt an der Mumie – oder religiöse
Szenen auf dem Sarg die Unversehrtheit garantieren und das ewige Leben sichern. Um
im Jenseits, das dem Diesseits ähnlich gedacht wurde, möglichen Arbeitsverpflichtungen
zu entgehen, wurden den Toten Uschebti-Figuren als Stellvertreter mitgegeben.
SÄRGE UND SARGAUFSÄTZE
Särge schützten die Leiche vor aasfressenden Tieren und den
Einflüssen der Witterung. Zugleich verewigte man auf ihnen
durch Inschriften die Identität des/der Toten und sicherte ggf. in
Verbindung mit bildlichen Darstellungen religiös/magisch die
Fortexistenz des/der Verstorbenen. Särge, auch ineinander
geschachtelt, konnten aus verschiedenen Materialien und
unterschiedlich gestaltet sein. Sie unterlagen je nach Epoche
stark wechselnden Vorlieben. Immer aber strebte man stabile
und kostbare Särge an, waren sie doch für die Ewigkeit bestimmt.
Weitere schmückende Elemente mit Schutzfunktion waren
Sargaufsätze wie Schakalköpfe oder Falken aus Holz.
GRABKEGEL
Grabkegel sind kegelförmige Tonnägel, die vor allem im altägyptischen
Neuen Reich an der Fassade von Gräbern besonders in Theben-West in
größerer Zahl nebeneinander angebracht wurden. Ihre flache Vorderseite
trägt Titel und Namen des Grabbesitzers. Die ersten damals noch
unbeschrifteten Grabkegel datieren in die 11. Dynastie, bezeugt sind sie
bis in die 26. Dynastie. Die längsten Exemplare sind etwa 50 cm lang, die
meisten jedoch etwas kleiner. Es sind bisher ca. 400 verschiedene Typen
von Grabkegeln bekannt, davon können jedoch nur ungefähr 80 einem
bekannten Grab zugeordnet werden.
BESTATTUNG UND MENSCHLICHE ÜBERRESTE
Ägypten hat in bemerkenswerter Weise die Sorge für die Toten ausgebildet. Zentral war der Erhalt des
Leichnams (Mumifizierung), sein Schutz (Sarg, Grab) und seine Ausstattung mit allem, was für die
jenseitige Fortexistenz bzw. Wiederauferstehung nötig war (Amulette, Beigaben). Der Opferkult sollte
die ständige „Aurischung“ der Bestattung sichern. Alle Ebenen waren von Texten begleitet.
Das Wissen um die ägyptischen Mumien, in denen schon seit 2000 Jahren und länger Menschen
konserviert sind, ließ in vielen Europäern das etwas makabre Verlangen aufkommen, selbst eine Mumie
oder wenigstens einen Teil davon zu besitzen. Die Händler in Ägypten bedienten diesen Wunsch und
boten mumifizierte menschliche Überreste in unterschiedlichster Stückelung zum Verkauf an.
SARG
Sarg (Holz; 2. Jh. n. Chr.; Theben; v. Reyer; Inv. Nr. 1)
Bemerkenswertes Beispiel für einen thebanischen Sarg
der römischen Zeit. Auf der Oberseite des Deckels ist
eine Frau halbplastisch aus dem Holz gearbeitet. Der
Sarg ist vollständig bemalt: Im Kopfbereich hocken Isis
und Nephthys als Klagefrauen. Um den Körper, an der
linken Schulter beginnend, umlaufend Szenen, zuerst
die Balsamierung durch Anubis; auf der rechten
Körperseite die Einführung der Toten vor Osiris,
dahinter osirianische Symbole. Die Verstorbene
soll in eine gottgleiche, ewige Existenz eintreten.
Die Sargwanne (außen seitlich Weinranken) ist sehr
flach und innen mit der von Ästen umgebenen
Himmelsgöttin, die mit der jenseitigen Baumgöttin
gleichgesetzt ist, bemalt.
MUMIE
Mumie der Esoëris (menschliche Überreste mit Leinen, Stuck u. Blattgold;
2. Jh. n. Chr.; Theben; v. Reyer; Inv. Nr. 1)
Laut einer computertomographischen Untersuchung handelt es sich um eine
25–30 Jahre alte Frau. Ihr Körper wurde in der für die Zeit üblichen Art mumifiziert
(Entfernung von Gehirn und Eingeweiden; Füllung des Brustraumes mit einer
aushärtenden Flüssigkeit und des Bauchraums mit einem Eingeweidepaket), mit
einem Leinentuch bekleidet und anschließend mit einer 7–10 cm dicken Schicht
von Leinenbinden umwickelt. Zuletzt wurde auf Gesicht und Oberkörper eine
Kartonage aufgelegt.
Kartonage: Aus Leinen und Stuck sind Kopf und Brust der Verstorbenen samt
Haaren, Schmuck und Kleidung nachgebildet, bemalt und z. T. vergoldet. Dazu
kommen religiöse Szenen: seitlich von den Brüsten Isis und Nephthys als
Klagefrauen, im Bildstreifen darunter die Einführung der Verstorbenen vor den
thronenden Osiris, vor dem ein Opfertisch mit einem Lotus steht, rechts die
Verstorbene und Anubis, hinter Osiris Isis, außen als Rahmung Kanopengötter.
MUMIFIZIERUNG
Ägypten hat in bemerkenswerter Weise die Sorge für die Toten ausgebildet. Zentral war der Erhalt des
Leichnams (Mumifizierung), sein Schutz (Sarg, Grab) und seine Ausstattung mit allem, was für die
jenseitige Fortexistenz bzw. Wiederauferstehung nötig war (Amulette, Beigaben). Der Opferkult sollte
die ständige „Aurischung“ der Bestattung sichern. Alle Ebenen waren von Texten begleitet.
Das Wissen um die ägyptischen Mumien, in denen schon seit 2000 Jahren und länger Menschen
konserviert sind, ließ in vielen Europäern das etwas makabre Verlangen aufkommen, selbst eine Mumie oder
wenigstens einen Teil davon zu besitzen. Die Händler in Ägypten bedienten diesen Wunsch und boten
mumifizierte menschliche Überreste in unterschiedlichster Stückelung zum Verkauf an.
KARTONAGE UND TOTENPAPYRUS
Der ursprünglich am rechten Oberarm der Mumie klein gefaltet
befestigte Totenpapyrus, eine Kurzfassung des sog. Ersten Buches vom
Atmen, überliefert den Namen der Toten und sichert ihr, die als Hathor
vergöttlicht wird, eine ewig versorgte, göttliche Existenz. Erst spricht
die Tote selbst, dann wird sie angesprochen.
USCHEBTI
Ursprünglich Ersatzkörper für den Fall, dass der Leichnam
zerstört wurde, später Stellvertreter des/r Verstorbenen, die
die im Jenseits anfallenden Arbeiten übernehmen sollten
und der Bestattung beigegeben wurden – eines pro Tag des
Jahres plus Aufseher-Uschebtis. Je nach Epoche, Werkstatt
und Finanzkraft des Auftraggebers unterscheiden sich
Uschebtis in Material, Größe, Stil und Qualität.
AMULETTE
Verschiedenste Gegenstände wurden in Ägypten mit
dem Göttlichen assoziiert. Z. B. erhielt die Kopfstütze
eine kosmische Bedeutung, wenn sie in Parallele zum
Stützen des Himmels interpretiert wurde.
Miniaturkopfstützen als Amulette übertrugen diese
Macht auf den göttlichen oder menschlichen (lebenden
oder toten) Nutzer. Dazu kamen die vermutete
Wirksamkeit der Materialien und begleitende Sprüche.
KANOPEN
Gefäße, welche die bei der Mumifizierung entnommenen inneren Organe aufnahmen. Die pro Bestattung je
vier Gefäße, meist hochschultrig und aus Gestein, standen unter dem Schutz von vier Göttern, den sog.
Horussöhnen, die ihrerseits von Göttinnen unterstützt wurden. Die Deckel der Kanopengefäße bekamen seit
dem Neuen Reich meist die Gestalt der Köpfe der Horussöhne. Im Idealfall ergab sich diese Verteilung:
Amset (Menschenkopf) – Isis – Leber
Hapi (Paviankopf) – Nephthys – Lunge
Duamutef (Schakalkopf) – Neith – Magen
Kebehsenuef (Falkenkopf) – Selket – Darm