Geschichte und Sammler
Erst im Verlauf des 19. Jahrhunderts verloren Ägyptenreisen den Charakter gefährlicher Expeditionen und wandelten sich mit dem fortschreitenden Ausbau des Transportwesens zu einem touristischen Phänomen.
REISEUMSTÄNDE
Erst im Verlauf des 19. Jahrhunderts verloren Ägyptenreisen den Charakter
gefährlicher Expeditionen und wandelten sich mit dem fortschreitenden
Ausbau des Transportwesens zu einem touristischen Phänomen. Als die
bedeutendsten Klagenfurter Sammler in Ägypten unterwegs waren – um
die Mitte des 19. Jahrhunderts – waren diese allerdings mit einem großen
Zeitaufwand, aber ebenso größeren Reiseanstrengungen und gesundheitlichen
Herausforderungen verbunden.
Neben der Kutsche über den Loiblpass nach Triest, dem Dampfschi, z.B. des
österreichischen Lloyd von Triest nach Alexandria, bewegte sich der Reisende
zunächst in Ägypten vor allem mit dem Hausboot, dem Esel, Pferd oder Kamel
vorwärts. Der Zug wurde 1856 von Alexandria nach Kairo (Reisedauer circa 6h)
und circa ein Jahr später von Wien über Laibach nach Triest (Reisedauer
circa 12h) eingeführt. Die übliche Reisezeit war zwischen Oktober und März
des folgenden Jahres.
J. L. Canaval reiste von Triest 1856/1857 über Korfu innerhalb von sechs Tagen
nach Alexandria, A. Prokesch von Osten startete in Smyrna 1826 zu seiner
ersten Ägyptenreise und F. Th. Freiherr von Reyer von Konstantinopel 1857.
Sowohl A. Prokesch von Osten als auch sein Schwiegersohn F. Th. Freiherr von
Reyer fuhren auf dem Nil bis Assuan. Dafür mietete man sich ein Hausboot,
eine Dahabia samt Dragomanen, also einer Person, die alles organisierte und
übersetzte. Für die Hin- und Rückfahrt benötigte man circa sechs Wochen.
Joseph Leadegar Canaval (* 1820 in Linz, † 1898 in Klagenfurt)
1848, nach Studium der Rechtswissenschaft und Besuch
des Polytechnikums in Wien, zog er nach Klagenfurt, wo er
seit 1850 Kustos des naturhistorischen Landesmuseums war.
Ein Lungenleiden brachte ihn 1856 und 1857 nach Ägypten;
er wohnte bei seinem Jugendfreund Dr. Alexander Reyer
in Kairo und sammelte Verschiedenes. 1854 heiratete er
Ottilie von Rosthorn, deren Vater er schon in Wien kennengelernt
hatte.
Anton Prokesch von Osten ( * 1795, † 1876)
Er war eine der herausragenden Persönlichkeiten der
habsburgischen Monarchie. Sein großes Interesse galt
Ägypten und Griechenland. Als Diplomat, aber auch aus
eigenem Interesse bereiste er 1826/27, 1833, 1868/1869 und
1869 Ägypten. Hieraus resultierten mehrere Publikationen
und seine ägyptische Sammlung. Den Namen „Osten“
nahm er auf eigenen Wunsch an.
Franz Thaddäus Freiherr von Reyer (* 1824 in Triest, † 1909 in Volsica)
Sein gleichnamiger Großvater hatte es als Kaufmann und
Bankier zu großem Vermögen gebracht, so dass der Enkel
finanziell unabhängig war. Seit 1855 als Honorar-Legationssekretär
in Konstantinopel hatte dieser Anton Prokesch von
Osten zum Vorgesetzten und brachte von einer Dienstreise
nach Ägypten (1857–1858) Antiken mit. 1860 heiratete er
Irene Prokesch von Osten.
Octav Edler von Vest (* 1807 in Klagenfurt, † 1861 in Graz)
Er entstammte einer Medizinerfamilie, deren Tradition er
als Marinearzt u. a. des Österreichischen Lloyd, später ab
1854 als „Landes- und Medizinalrath“ für Triest und die
Küstenlande fortsetzte. Auf den Orientreisen sammelte er
außer Münzen auch Objekte aus verschiedenen Kulturkreisen.
1847 heiratete er Clementine von Reyer, die Schwester von
F. Th. Freiherr von Reyer.