Eine kurze Stollengeschichte

Wir befinden uns in einem ehemaligen Luftschutzstollen im Kreuzbergl, dem Hausberg von Klagenfurt. Der Bau des Stollens begann 1943 in der NS-Zeit. Nach dem Zweiten Weltkrieg richtete die britische Besatzung hier ein Studio der Sendergruppe Alpenland ein. Es bestand bis 1955.

Das ist keine Höhle

Wir befinden uns in einem ehemaligen Luftschutzstollen im Kreuzbergl, dem Hausberg von Klagenfurt. Der Bau des Stollens begann 1943 in der NS-Zeit. Nach dem Zweiten Weltkrieg richtete die britische Besatzung hier ein Studio der Sendergruppe Alpenland ein. Es bestand bis 1955.

Der Stolleneingang liegt in einem ehemaligen Steinbruch, in dem sich heute der Botanische Garten befindet. Dieser wurde 1965 eröffnet.

1973 wurde im Stollen ein Bergbaumuseum eingerichtet. Es organisierte auch Veranstaltungen und Sonderausstellungen, zum Beispiel über den Luftkrieg und den verunglückten Kärntner Landeshauptmann Jörg Haider. Das Museum bestand bis 2015.

Errichtung des Stollens

Das NS-Regime begann den Zweiten Weltkrieg 1939 mit dem Flächenbombardement von Warschau. Es traf jedoch erst spät Vorkehrungen, die eigene Bevölkerung zu schützen. In Klagenfurt lebten etwa 59 000 Menschen. Noch Anfang 1944 fanden nur 7 000 Personen Platz in Luftschutzräumen. Von 1943 bis 1945 errichtete das Stadtbauamt neun Luftschutzstollen. Im Kreuzbergl befand sich neben diesem Stollen – „Kreuzbergl-Einsiedler“ genannt – noch der Miklinstollen. Als Arbeitskräfte wurden italienische Bergarbeiter und britische Kriegsgefangene aus dem Lager Waidmannsdorf eingesetzt.

Klagenfurt im Luftkrieg

US-Bomber flogen 47 Luftangriffe auf Klagenfurt. Ein Hauptziel war das Zweigwerk der Wiener Neustädter Flugzeugwerke nahe des Hauptbahnhofs. Die Fabrik produzierte Bestandteile für Messerschmitt-Kampfflieger. Der Bahnhof und der Flughafen in Annabichl waren weitere Ziele. Dabei wurden auch Wohnhäuser getroffen. Mehr als 500 Menschen kamen ums Leben. Das NS-Regime hatte die Bevölkerung lange in Sicherheit gewogen, daher traf sie die Wucht der ersten Angriffe unvorbereitet. Die Gauleitung untersagte es, frühzeitig in die Luftschutzstollen zu flüchten oder die Stadt zu verlassen.

Gedenken am Kreuzbergl

Am Kreuzbergl erinnern zwei Gedenkstätten an den Zweiten Weltkrieg: Die Landesgedächtnisstätte ist den Opfern der Weltkriege gewidmet, eine Inschrift und Fresken am Belüftungsturm dieses Stollens den Opfern des Luftkrieges. Beide Erinnerungsorte wurden von ehemaligen Nationalsozialisten gestaltet. Die Verantwortung des NS-Regimes blieb dabei ebenso ausgeblendet wie die Opfer nationalsozialistischer Gewalt. Auch auf dem ehemaligen Schießplatz der Wehrmacht am Kreuzbergl sind keine Zeichen der Erinnerung zu finden.

Prof. Dr. Franz Kahler

Die Stadt Klagenfurt benannte 1995 den Platz vor dem Botanischen Garten nach dem Geologen Franz Kahler. Dieser war Mitbegründer des heutigen Botanischen Gartens und des ehemaligen Bergbaumuseums im Stollen. Kahlers Rolle im Nationalsozialismus blieb unbeachtet. Er war bei der Organisation Todt in Norwegen tätig und erstellte geologische Gutachten für den Bau des Loibltunnels. Dort wurden Häftlinge aus dem KZ Mauthausen grausam zur Arbeit gezwungen. Mit den Gutachten habilitierte sich Kahler 1944 an der Universität Graz. Seine Expertise war auch nach der NS-Zeit bei zahlreichen Bauvorhaben des Landes gefragt.

Belüftungsturm des Luftschutzstollens

Am Turm des Lüftungsschachtes dieses Stollens wurde auf Initiative des Schuldirektors Egbert Bohrer – ehemaliges Mitglied der NSDAP und Luftschutzleiter – Mitte der 1950er-Jahre eine Inschrift angebracht. Der ebenfalls mit dem Nationalsozialismus verstrickte Maler Albert Zahlbruckner schuf die Fresken. Sie zeigen die Bevölkerung als Opfer der alliierten Bombenangriffe, ohne auf die Verantwortung des NS-Regimes für den Krieg hinzuweisen. 2013 entstand ein kritischer Kommentar dazu: Die Künstler Lucas und Daniel Rachlé bemalten den Turm im Auftrag der Stadt Klagenfurt. Ihre Arbeit zeigt ein Chamäleon, das auf braunen Wurzeln steht.

Schießplatz am Kreuzbergl

Auf der Wiese nahe der Sternwarte betrieb die Wehrmacht während des Zweiten Weltkrieges einen Schießplatz. Sie ließ hier zwischen 13. September 1944 und 2. Mai 1945 mindestens 16 Todesurteile vollstrecken. Die Hingerichteten waren vermutlich Deserteure. Zu den Opfern zählen beispielsweise Johann Podbeuschek (Ivan Podbevšek) und Raimund Ziegler, die sich den Partisan:innen angeschlossen hatten. Auch die Widerstandskämpferin Madja Vrhovnik soll am Kreuzbergl hingerichtet worden sein.


© Kinomuseum Klagenfurt/Klaus Pertl

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