Unter dem Zeichen des Kreuzes

Die Christianisierung Kärntens

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Unter dem Zeichen des Kreuzes

Unter dem Zeichen des Kreuzes

Im 8. Jahrhundert begann die erneute Christianisierung Kärntens vom Bistum Salzburg aus. Damals errichtete man etwa die Kirche Maria Saal und ein erstes Kloster in Molzbichl bei Spittal. Nach der Schaffung des Kärntner Herzogtums im Jahr 976 kam es im 11. Jahrhundert zu einer Reihe weiterer Klostergründungen, hauptsächlich durch den Orden der Benediktiner. Innerhalb von 100 Jahren entstanden St. Georgen/Längsee, Ossiach, Gurk, Millstatt, St. Paul im Lavanttal und Arnoldstein. Diese Klöster waren Zentren des geistlichen, wirtschaftlichen und intellektuellen Lebens und spiegeln gleichzeitig die strenge Reglementierung des Lebens im Hochmittelalter.

Mit Sicherheit prachtvoll

Das prachtvolle Truhenschloss aus Maria Saal ist eines der qualitätvollsten Werke spätgotischer Schmiedekunst in ganz Österreich. Es wurde wohl von einer überregional tätigen Werkstatt hergestellt und kann aufgrund der Ornamentik und Formgebung in das frühe 15. Jh. datiert werden. Als Schmuckmotiv wurde dabei der Aufriss einer gotischen Kathedral-Fassade verwendet und in meisterlicher Weise in das Kleinformat des kunstgewerblichen Gegenstandes übertragen.

Tatkräftiger Schutzhelfer

Die um das Jahr 1510 entstandene Christophorusfigur stammt ursprünglich vom Jakobusaltar in der Wehrkirche von Tiffen. Christophorus war einer der beliebtesten Heiligen des Spätmittelalters und wurde als solcher an den Außenwänden von Kirchen dargestellt, in Form von Druckgrafiken verbreitet und sogar auf Münzen verewigt. Er war Beschützer der Reisenden und Pilger, sollte aber auch Dämonen abwehren und vor unerwarteten Schicksalsschlägen bewahren.

Kärntner Madonna

Das Madonnenbild mit den zwei musizierenden Engeln stammt aus der der Krypta der Filialkirche Heilige Katharina im Bade in Kleinkirchheim. Die ungewöhnlich monumentale Tafel gehörte ursprünglich als Mittelstück zu einem Flügelaltar und ist um das Jahr 1460 entstanden. Der Künstler könnte ein in Südtirol oder der Steiermark ausgebildeter Kärntner Meister gewesen sein.

Im Weingarten Gottes

Weingarten, Weinstock und Reben sind seit den Zeiten des Alten Testaments beliebte Motive des jüdischen und christlichen Glaubens, wobei die blühende Weinranke Christus oder Maria und die sich an den Weintrauben nährenden Vögel die Seelen der Gläubigen symbolisieren. Das bemalte Schnitzrelief stammt ursprünglich aus der Katharinenkirche in St. Ulrich bei Feldkirchen. Eine Jahresangabe datiert es ins Jahr 1526. Die dabei angewandte Technik des sogenannten Flachschnitts entwickelte sich in Kärnten im frühen 16. Jh. als Nachklang zur überaus reichen, figürlichen Altarschnitzkunst.

Im Namen der Heiligen Elisabeth

Die Fürstentochter Elisabeth hatte schon 1229 eine gemeinnützige Armenstiftung gegründet und sich der Legende nach gegen Lebensende selbst als einfache Spitalsschwester für die Allgemeinheit aufgeopfert. In ganz Europa erinnern zahlreiche Kultstätten und Spitalseinrichtungen an das vorbildhafte karitative Wirken der Heiligen. Ihre ursprünglich aus der Bürgerspitalskirche von St. Veit/Glan stammende, fast lebensgroße Statue gelangte 1869 in den Sammlungsbestand des Geschichtsvereins für Kärnten.

Licht ins Dunkel

Seit der zweiten Hälfte des 11. Jahrhunderts wurde es auch im Alpenraum allmählich Brauch, mehrere Kerzen in Leuchtern auf den Altar zu stellen. Der ausgestellte Leuchter dürfte nach ostfranzösisch/niederländischen Vorlagen in einer süddeutschen Werkstatt hergestellt worden sein. Seinen dreiseitigen breiten Fuß bilden ineinander verschlungene Drachen. Der runde Teller wird in regelmäßigen Abständen von drei dämonischen Vögeln getragen. Die geflügelten Tierdarstellungen verweisen symbolisch auf die Überwindung des Bösen durch das Licht Christi und den Gottesdienst.

Christliche Prozessionen

Prozessionskreuze wie dieses aus dem Lesachtal waren seit dem Ende des 13. Jhs. weit verbreitet. Die Vorderseite zeigt die Kreuzigung Christi mit Maria und Johannes und zwei Engel, die Rückseite einen segnenden Christus mit vier Evangelistensymbolen. Diese Bildauswahl steht in der aus dem venezianischen Einflussbereich vermittelten italo-byzantinischen Tradition, hergestellt wurde es wohl um das Jahr 1400 in einer friulanischen Werkstatt.

Corpus Christi

Seit dem Ende des 11. Jahrhunderts war es üblich, kleine Bronzekreuze bei der Messfeier im täglichen liturgischen Gebrauch einzusetzen. Man verwendete sie als Standkreuze auf Altären und als Vortragekreuze bei Prozessionen. Sie symbolisierten das Verständnis der Eucharistie als blutige Vergegenwärtigung des Kreuzesopfers Christi. Das ausgestellte Stück in Form einer Christusfigur stammt ursprünglich aus dem Gurktal und dürfte um die Mitte des 12. Jhs. in einer schwäbischen Werkstatt hergestellt worden sein.

Schutzmantel der Geistlichkeit

In der Antike trug man auf Reisen einen mantelartigen Überwurf, der eine runde oder ovale Form aufwies, aber keine Öffnungen für die Hände hatte. Er umschloss den Träger also wie ein „Häuschen“ (lat. „casula“) und schützte vor Regen, Schnee und Kälte. Nachdem im 9. Jh. festgelegt worden war, dass sich die Priester aufgrund ihrer Kleidung klar von Laien unterscheiden und gleichzeitig nicht allzu prunkvoll gewandet sein sollten, wurde die „Kasel“ zum Messgewand, wobei Schnittform und Machweise sich von Land zu Land unterscheiden konnten.

Leidensfrucht

In der Mitte dieser Kasel aus dem 18. Jh. befindet sich die Darstellung einer Stachelbeere. Diese Frucht wird im volkstümlichen Glauben auch als Christdorn, Christbeere oder Kreuzbeere bezeichnet und mit der Dornenkrönung Jesu Christi verbunden. Das Innenfutter der Kasel ist ein rot eingefärbter Stoff. Ein weißer und blauer Leinenstoff wurde für das Vorder- und Rückenteil verwendet. Sämtliche Stickereien sind in Gold, Gelb und Weiß gehalten und stellen verschiedene Blütenmuster dar.

Rosentaler Blütenpracht

Die Rückenansicht dieser Kasel des 17. Jhs. aus dem Rosental zeigt eine Kreuzigungsgruppe, bestehend aus Jesus, seiner Mutter Maria und einem seiner Jünger, vermutlich Johannes. Der Heiland hängt nicht an einem Kreuz, sondern an einem Baum mit abgehackten Ästen. Umrahmt wird die Szene von zahlreichen gestickten Tulpen, Narzissen und Nelken. Narzissen oder Osterglocken sind im Christentum das Symbol für die Auferstehung Christi. Die Nelken stehen für die Nägel am Kreuz, aber auch – so wie die Tulpen – für die göttliche Liebe.

Antonius mit Jesuskind

Diese Kasel des 17. Jhs. aus der Pfarre Damtschach ist auf der Rückseite reich mit Blütenstickereien verziert, die vor allem Nelken und Lilien darstellen. Im Mittelstab der Kasel erscheint nach einer verbreiteten Legende der heilige Antonius von Padua mit dem Jesuskind.

Lederkleid

Im 18. Jahrhundert kamen Kaseln aus Leder auf, die nach Art der Ledertapeten vergoldet wurden. Im Gegensatz zu den anderen Messgewändern sind die floralen Muster hier nicht gestickt, sondern geprägt oder gemalt. Das Gewand wirkt recht leblos und steif, ist allerdings pflegeleichter als ihre stofflichen Verwandten, da man höchstens etwas Lack, Farbe oder Blattgold für Ausbesserungsarbeiten braucht. Die ausgestellte Kasel aus dem späten 18. Jh. ist reich mit diversen Blüten verziert, das Vorderteil ist, wie bei Lederkaseln typisch, kürzer als der Rücken.

Kostbarkeiten aus dem Skriptorium

An den Schreibpulten der mittelalterlichen Skriptorien entstanden wahre Meisterwerke der Buchmalerei. Vor der Erfindung des Buchdrucks war das Abschreiben von Büchern eine mühevolle Tätigkeit, die zudem künstlerisches Geschick erforderte. Daher war der Besitz von Büchern ein Luxus, den sich nur die Angehörigen der geistlichen und weltlichen Oberschicht leisten konnten.

Die Klöster Kärntens

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