Die Schäden am Amphitheater in Virunum

Das für rund 3000–4000 Besucher konzipierte Amphitheater von Virunum wurde unter Kaiser Hadrian (nach 126/131 n. Chr.) errichtet und unter Kaiser Constantin (315/316 n. Chr.) aufgegeben. Dazwischen wurde das Bauwerk zweimal, 183/184 und 236/237 n. Chr., aufwendig restauriert. Der Ausgrabungsbefund belegt und erweitert die auf zwei lateinischen Marmorinschriften genannten Baumaßnahmen. 

Zeitraum 183/184 n. Chr.

Im Zeitraum 183/184 n. Chr. traten am Amphitheater partielle Bauschäden auf. Es kam nicht zum Einsturz von Gebäudeteilen, jedoch zu statischen notwendigen Umbauten und einer umfassenden Renovierung der Anlage.

Die Restaurierungen im Jahre 183/184 n. Chr.

Dem Baudokument des Bürgermeisters Sext. Sabineius Maximus aus dem Jahr 183/184 n. Chr. zufolge wurden:

1. Die Mauern des Amphitheaters neu verputzt.
2. Ein oder mehrere Zugänge errichtet.
3. Neue Tore errichtet.

Umzeichnung der Bauinschrift des Bürgermeisters Sext. Sabineius Maximus aus dem Jahr 183/184 n. Chr.
Umzeichnung der Bauinschrift des Bürgermeisters Sext. Sabineius Maximus aus dem Jahr 183/184 n. Chr.

Dem archäologischen Befund zufolge wurden:

4. Das Nordtor um 3,7 m nach Westen erweitert.
5. Im Bereich des Südtores zumindest das Bodenniveau angehoben.
6. Die Bedienungskammer im Westen vergrößert.
7. Der unterirdische Zugang aufgrund statischer Probleme zugeschüttet.
8. Das Bodenniveau in der Arena (und im Nemeseum)
erneuert.
9. Der Zugang IV erneuert.

Schematisierter Grundrissplan des Amphitheaters mit grün hervorgehobenen Restaurierungen um 183/184 n. Chr. nach inschriftlichen und archäologischen Quellen.
Schematisierter Grundrissplan des Amphitheaters mit grün hervorgehobenen Restaurierungen um 183/184 n. Chr. nach inschriftlichen und archäologischen Quellen.

Zeitraum 236/237 n. Chr.

Die Osthälfte des Amphitheaters mit dem Nemesis-Heiligtum und der darüber liegenden Statthalterloge (pulpitum) war 236/237 n. Chr. auf 43 m Länge dermaßen baufällig, dass ein Neubau erforderlich war. Auch das Südtor wies Bauschäden auf. Typisch für die Mauerneubauten ist die Verwendung von Marmorspolien (Inschriften und Architekturteile). Da ein Einsturz durch Wasser- oder Hangdruck aus statischer Sicht unwahrscheinlich ist, sollten hier Schäden eines schweren Erdbebens dokumentiert sein.

Die Restaurierungen und Neubauten im Jahre 236/237 n. Chr.

Dem Baudokument des C. Cassius Honoratus vom 15. Mai 237 n. Chr. zufolge wurden:

1. Ein eingestürztes, 40 römische Fuß langes (11,85 m) Mauerstück vom Boden an wiedererrichtet.
2. Die Podiummauer verputzt und mit figuralen Bildern in Lebensgröße bemalt.
3. Ein neues Tor errichtet.

Umzeichnung der Bauinschrift des C. Cassius Honoratus vom 15. Mai 237 n. Chr.
Umzeichnung der Bauinschrift des C. Cassius Honoratus vom 15. Mai 237 n. Chr.

Dem archäologischen Befund zufolge wurden:

4. Das etwa 40 römische Fuß lange Mauerstück identifiziert. Es handelt es sich um die innere Podiummauer südlich des Nemesis-Heiligtums. Die 1,3 m starke und 3,65 m hohe Mauer wurde vom Boden an über den alten Fundamenten wiederaufgebaut.
5. Nördlich davon zwei weitere, 18,8 und 4,8 m lange Bereiche derselben Podiummauer ebenfalls vom Boden an wiederaufgerichtet.
6. Der Entwässerungsschacht im Nordosten der Arena aufgegeben und aufgefüllt.
7. Die Südmauer des Nemeseums und somit auch die Statthalterloge (pulpitum) neu errichtet.
8. Umbauten im Südportal durchgeführt.
9. Aufschüttungen im Bereich des bereits 184 n. Chr. aufgefüllten Zuganges durchgeführt.
10. Das Bodenniveau in der Arena um zirka 0,5 m gehoben.

Schematisierter Grundrissplan des Amphitheaters mit orange hervorgehobenen Restaurierungen und Neubauten um 236/237 n. Chr. nach inschriftlichen und archäologischen Quellen.
Schematisierter Grundrissplan des Amphitheaters mit orange hervorgehobenen Restaurierungen und Neubauten um 236/237 n. Chr. nach inschriftlichen und archäologischen Quellen.
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